Amazon eröffnet „4-Sterne“-Filiale

Amazon macht erneut mit einem Laden Schlagzeilen – allerdings diesmal nicht mit einem kassenlosen Amazon Go-Geschäft. Das E-Commerce-Unternehmen hat in New York die Filiale Amazon 4-star eröffnet, die sich bei den geführten Produkten an den Kundenbewertungen auf der Internetseite orientiert. Für US-Amerikaner und Briten wird es außerdem attraktiver, bei Amazon zu arbeiten, da die Firma bald einen deutlich höheren Mindestlohn zahlt.

Amazon 4-star bietet im New Yorker Szeneviertel SoHo ausschließlich Waren an, die auf Amazon.com mit vier oder mehr Sternen bewertet wurden. Dabei profitieren Mitglieder des Amazon Prime-Programms von jederzeit mit dem Online-Angebot identischen Preisen. Nichtmitglieder müssen mehr bezahlen, können aber vor Ort ein Prime-Abo abschließen, um direkt davon zu profitieren. Zum Portfolio von Amazon 4-star gehören Bücher, Spiele und Spielzeug, Küchengeräte sowie natürlich auch die hauseigenen Echo-Lautsprecher und Kindle-Reader. Da natürlich längst nicht alle gut bewerteten Produkte in dem rund 370 Quadratmeter großen Geschäft Platz finden, wird unter anderem nach der Beliebtheit bei New Yorker Onlinekunden, aktuellen Trends oder häufig gemeinsam gekauften Waren gewichtet. Ob das Konzept auf andere Städte ausgeweitet werden soll, wollte Amazon bislang nicht enthüllen.

Steigende Gehälter

Derweil können sich viele Beschäftigte in den USA und in Großbritannien freuen, da die Gehälter im Niedriglohnbereich deutlich steigen. Amazon zahlt seinen über 250.000 US-Angestellten und auch den mehr als 100.000 Saisonarbeitern ab dem 1. November mindestens 15 Dollar in der Stunde. Dies ist mehr als doppelt soviel wie der gesetzlich festgelegte Mindestlohn von 7,25 Dollar, für dessen Erhöhung sich Amazon nach eigenen Angaben ebenfalls stark machen möchte. Der Internetgigant wird häufig für seine Arbeitsbedingungen kritisiert und kann mit solchen Maßnahmen deshalb natürlich auch sein öffentliches Image verbessern. Zudem wird es zunehmend schwieriger, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Die Supermarktkette Walmart zahlt bereits 11 Dollar Mindestlohn, ihr Konkurrent Target kontert mit 12 Dollar und hat für 2020 15 Dollar in Aussicht gestellt. In Großbritannien erhöht Amazon derweil seinen Mindestlohn nicht ganz so stark auf 9,50 Pfund, Londoner Beschäftige erhalten zusätzlich einen Pfund Aufschlag. In Deutschland sind derzeit keine Anpassungen geplant.

Whole Foods-Mitarbeiter verärgert

Eventuell kommen die Veränderungen auch den Mitarbeitern der von Amazon gekauften Lebensmittelkette „Whole Foods“ entgegen, die sich laut einem Bericht des Guardian zunehmend wie Roboter fühlen und deshalb eine Gewerkschaft gründen wollen. Amazon würde von ihnen erwarten, das sie mit stark begrenzten Arbeitskräften sowie wenig Investitionsbudget den Betrieb der Geschäfte aufrechterhalten und gleichzeitig Aufgaben höherrangiger Positionen übernehmen, ohne dafür angemessen entschädigt zu werden. Dadurch sei selbst für den wichtigen Kundenservice  kaum noch Zeit. Zudem würde man durch eine Homogenisierung des Angebots und die angestrebte Gewinnmaximierung derzeit genau die Kunden verlieren, die sich für die früher im Fokus stehenden lokalen Produkte und Spezialitäten interessieren und Whole Foods damit erst erfolgreich machten, ist ein südkalifornischer Mitarbeiter überzeugt.

2018-10-31T14:35:11+00:00