Amazon nimmt die Bezahlung in die Hand

Amazon nimmt die Bezahlung in die Hand

Wenn Patentanmeldungen öffentlich werden, dauert es meistens noch eine Weile, bis die Technologie praktisch zum Einsatz kommt. Amazon dürfte bei der Bezahlung mittels Handflächenidentifikation auch noch einige Hürden zu nehmen haben – schließlich erstrecken sich die Planungen wohl nicht wie erst vermutet lediglich auf firmeneigene Geschäfte.

Amazon Go verließ sich bislang eher auf Gesichtserkennung zur Nutzeridentifizierung.

Bei dem im Dezember 2019 veröffentlichten Patentantrag wird ein biometrisches Identifikationssystem beschrieben, das die Handfläche der Nutzer detailliert scannt, ohne dass diese mit den Geräten direkt in Kontakt kommen müssen. Wie bei Lösungen ähnlicher Art findet das System so blitzschnell heraus, von wessen hinterlegter Kreditkarte bzw. wessen Konto das Geld für den jeweiligen Einkauf eingezogen werden sollte.

Amazon bald als Lizenzgeber?

In seinen eigenen Wholefoods-Märkten und den autonom arbeitenden Amazon Go-Filialen könnte Amazon sicherlich recht schnell Handscanner aufstellen, die Pläne des E-Commerce-Unternehmens gehen aber laut „Wall Street Journal“ darüber hinaus. Nicht näher genannte Quellen steckten der Zeitung, dass Amazon die Pay-by-Hand-Kioske zusätzlich an andere Geschäfte lizenzieren möchte. Dabei soll es sich primär um Orte mit häufig wiederkehrender Kundschaft wie Coffee Shops oder Fastfood-Restaurants handeln. Alle diese Planungen seien aber noch in einer frühen Phase, berichtet die Zeitung weiter, auch wenn Amazon für die Umsetzung bereits mit großen Kreditkartenunternehmen wie Visa kooperiert.

Die Hand-to-Pay-Technologie könnte nicht das einzige Produkt sein, das Amazon künftig anderen Anbietern zur Verfügung stellt: Auch um die bestehende Amazon Go-Technologie ranken sich seit längerem Lizenzierungsgerüchte. Ob klassische Händler allerdings bereit sind, sich so stark mit ihrem größten Rivalen aus dem Internet zu verbünden, dürfte neben der Frage nach den Kosten vor allem davon abhängen, wie die eigenen Kundendaten geschützt werden. Schließlich interessiert sich Amazon durchaus dafür, mehr über das Einkaufsverhalten von Konsumenten im Offline-Bereich zu erfahren.

Eher akzeptiert?

Mit dem Scan der Handfläche, die auch schon von anderen im Markt befindlichen Lösungen erkannt wird, hat Amazon eventuell das biometrische Merkmal gefunden, das die Kunden für eine Identifikation am ehesten akzeptieren. Das Gesicht ist ein wenig zu prominent, da sich darüber auch die meisten Menschen ebenfalls untereinander wiedererkennen, und das Nehmen des Fingerabdrucks hat durch Krimiserien und die allseits bekannte Verwendung in der Strafverfolgung nicht unbedingt den besten Ruf.

2020-01-23T12:55:52+00:00