Amazon sucht die Nähe zum stationären Handel

Amazon sucht die Nähe zum stationären Handel

Angesichts der sich immer mehr abzeichnenden Einbußen durch die Corona-Krise greift der E-Commerce-Gigant Amazon etwas tiefer in die Tasche, um stationären Unternehmen in seiner direkten Nachbarschaft zu helfen. Und auch ansonsten steht der klassische Einzelhandel nun stärker im Fokus: Interessierte können ab sofort die „Just Walk Out“-Technologie für ihren eigenen kassenlosen Laden lizenzieren.

Solche CIBO Express-Filialen sind dank Amazon bald kassenlos (Bild: OTG)

Amazon hat mittlerweile schon selbst Erfahrung mit dem Corona-Virus gesammelt: Unter anderem infizierten sich Mitarbeiter in Seattle und in Italien. Seattle – der Hauptsitz von Amazon – zählt in den USA derzeit sogar zu den Hotspots mit relativ vielen Erkrankten, weshalb sich dort nun Einbußen für die regulären Geschäfte abzeichnen. Mit einem Neighborhood Small Business Relief Fund in Höhe von fünf Millionen Dollar greift Amazon allen Läden und Restaurants unter die Arme, die sich innerhalb weniger Blocks rund um die eigenen Regrade- und South Lake Union-Büros befinden und die Einnahmenverluste aufgrund ihrer geringen Größe vermutlich kaum ausgleichen können.

Finanz-Hilfen für die Schwächeren

Die Bedingungen: Sie beschäftigen weniger als 50 Mitarbeiter, haben nicht mehr als sieben Millionen Dollar Jahresumsatz und bedienen vorrangig normale Laufkundschaft. Zudem müssen die Firmen mit Zusatzinformationen belegen, welche Umsatzeinbußen sie für den März durch die angespannte Situation erwarten. Amazon will recht kurzfristig über die Hilfszahlungen entscheiden und bereits im April die Auszahlung starten. Eigenen Mitarbeitern, die mit Covid-19 infiziert sind oder deswegen in Quarantäne müssen, zahlt Amazon in den USA derweil bis zu zwei Wochen weiter das normale Gehalt.

„Just Walk Out“ bei mehr Unternehmen

Unabhängig davon fängt Amazon nun damit an, seine Technologie für kassenlose Läden auch an andere Händler zu lizenzieren. Für den externen Einsatz wurde das System dabei leicht modifiziert: Statt der bei Amazon Go üblichen App steht hier die Kreditkarte des Kunden im Mittelpunkt. Diese wird am Anfang des Einkaufs einmal ausgelesen und kann danach in der Tasche bleiben. Der weitere Einkauf erfolgt wie gewohnt – allerdings können Kunden den Laden jederzeit verlassen, ohne sich um die anschließende Bezahlung Gedanken machen zu müssen. Da unzählige Kameras sowie Gewichtssensoren alle mitgenommenen Waren präzise registrieren, wird die fällige Gesamtsumme einfach von der Kreditkarte abgebucht. Die „Just Walk Out“-Technologie soll dabei laut Amazon auch bei stark frequentierten Filialen und kurzen Spontanbesuchen funktionieren.

Amazon stellt Händlern die Technologie bereit und bietet zusätzlich einen rund um die Uhr erreichbaren Telefon- sowie Mail-Support. Das Unternehmen verspricht auf seiner zugehörigen Webseite, dass lediglich Daten gesammelt werden, die für die Ausgabe einer korrekten Quittung notwendig sind – Käufer sollten sich die Erfassung ähnlich wie typische Aufnahmen von Sicherheitskameras vorstellen. Allerdings dürften auch damit viele Informationen im Amazon-System landen, die Händler nicht unbedingt gerne teilen würden.

Kosten unbekannt

Ansonsten betreuen die Händler ihre Geschäfte weiter in Eigenregie und entscheiden somit selbst über Sortiment, Personalfragen oder Retourenpolitik. Die Installation des Systems soll sich innerhalb weniger Wochen abschließen lassen, sobald Amazon Zugang zum jeweiligen Laden erhält. Dabei arbeitet der E-Commerce-Riese mit den Händlern zusammen, um den Einfluss der Arbeiten auf den normalen Geschäftsbetrieb zu minimieren. Die Kosten und das Abrechnungsmodell sind derzeit noch ein großes Geheimnis. Es gebe viele speziell „maßgeschneiderte Angebote“, erklärte Dilip Kumar, Vice President of Physical Retail and Technology bei Amazon, gegenüber Reuters.

Erster bekannter Kunde

Als erstes Unternehmen hat sich mittlerweile OTG zum Einsatz von „Just Walk Out“ bekannt. Der Betreiber diverser Flughafengeschäfte möchte die Technologie bereits ab dem 16. März bei seinem CIBO Express-Store im Terminal C des Newark Airport einsetzen. Weitere Standorte in den Flughäfen Newark Liberty und LaGuardia (New York) sollen folgen.

2020-03-12T12:04:53+00:00