Elektronische Werbetafeln in Südkorea erkennen Passanten

Mit Hilfe von Gesichtserkennungstechnologie können elektronische Werbetafeln herausfinden, wer gerade vor ihnen steht und ihre Inhalte perfekt auf die Passanten abstimmen. In Südkorea wurden nun 10.000 Werbetafeln damit ausgestattet.

Personalisierung ist einer der Hebel, mit dem Händler und Werbetreibende online wie offline die Verbraucher von sich überzeugen. Dazu sind Daten über den Kunden nötig: Je mehr man über ihn, seine Gewohnheiten und Hobbys weiß, desto gezielter können ihm Produkte vorgeschlagen werden. Onlineshops haben dieser Werbestrategie einen Teil ihres Erfolgs zu verdanken, Unternehmen wie Google und Facebook verdienen so ihr Geld.

Gesichtserkennung in der Werbung

Während man am Rechner den Kunden über seine Log-In-Daten, die IP-Adresse, den Browserverlauf oder andere Möglichkeiten erkennt, ist dies in der Welt abseits des Internet deutlich schwieriger. Eine Möglichkeit, dies zu ändern, bietet die Gesichtserkennung. Eine Kamera, die zum Beispiel an einer elektronischen Werbetafel befestigt ist, nimmt ein Bild von einem Gesicht auf. Ein Algorithmus untersucht dieses auf markante Punkte – wie etwa Augen, Mund und Nasenspitze – und setzt sie in ein Verhältnis zueinander, das mathematisch ausgedrückt werden kann. Diese Zahlenreihe ist für nahezu jedes Gesicht einzigartig, weswegen es erkannt wird. Anschließend ordnet der Algorithmus dem Gesicht Attribute wie Alter und Geschlecht zu und zeigt entsprechende Werbung auf dem Bildschirm an.

Die Mediaagentur DBDB aus Seoul hat nun beim britischen Hersteller Bidooh 10.000 Geräte bestellt, die elektronische Werbetafeln um diese Technologie erweitern. Die „Bidooh Box“ wird dazu einfach an den HDMI-Eingang eines Bildschirms angeschlossen. Eine Internetverbindung über WLAN ist ebenfalls erforderlich. So erhält die Werbung im stationären Handel dieselben Möglichkeiten, die der Onlinehandel seit Jahren genießt. Bidooh betreibt bereits solche Reklametafeln im Vereinigten Königreich und in einigen europäischen Ländern. In Asien ist es der erste Einsatz der Technologie.

Versuche in Deutschland

Verbraucher in Deutschland sehen die Technologie kritisch. So testete zwar im Frühjahr 2017 die Supermarktkette Real eine Technologie zur Gesichtserkennung – ebenfalls, um passgenaue Werbung auszuspielen – musste den Test aber nach Protesten von Datenschützern und Kunden wieder einstellen. „Der Kundennutzen vom Einsatz technologischer Weiterentwicklungen muss jederzeit für Kunden nachvollziehbar sein. Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet“, erklärte die Kette damals. Hintergrund der Entscheidung sei die „öffentlich geführte Diskussion, die den Eindruck erweckte, in Real-Märkten würden im Kassenbereich ohne Wissen der Kunden Daten erhoben“.

Ähnliche Erfahrungen machte Bayer in Österreich. Dort wollte das Unternehmen mit der Technologie in zwei Apotheken Produkte passend zu Alter und Geschlecht des Kunden bewerben. Die gemachten Bilder sollten nicht gespeichert oder weitergegeben werden, was der Technologie, wie Bayer versicherte, eine datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit verleihe, die auch mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert wurde. Symbole und ein Aushang wiesen Kunden zudem auf die Kameras hin.

Doch nach nur wenigen Tagen stoppte das Unternehmen den Test, den die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage ungefragtes Eindringen in die Privatsphäre vorwarf. Bayer Austria kommentierte die Vorgänge so: „Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontroversiell wahrgenommen wird. Daher möchten wir aktiv – auch in Abstimmung mit unseren Kunden – das als Pilot geplante Projekt heute beenden.“

2018-11-15T15:26:09+00:00