Evolution des Handels: Adore Me und Victoria’s Secret

Die meisten Händler, die nicht auf die vom Onlineshopping geprägten Kunden zugehen, werden verschwinden. Die so entstehenden Lücken in den Innenstädten füllen dann andere. Ein aktuelles Beispiel aus den USA führt diese Evolution vor.

Auch wenn der Onlinehandel die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher stark verändert hat, für einen „Tod“ des stationären Handels wird er nicht sorgen. Zwar ist es richtig, dass einzelne Händler schließen müssen, der Grund dafür sind aber nicht die Änderungen selbst, sondern die Unfähigkeit, sich an die geänderten Bedingungen anzupassen. Zudem hat jede Insolvenz – wie das Beispiel von Sears zeigt – unterschiedliche Gründe und kann nie allein auf die Konkurrenz aus dem Internet geschoben werden.

Damit ist aber nur der halbe Prozess beschrieben. Denn neue Händler nehmen die Plätze ein, die die alten freigemacht haben. Dabei handelt es sich meist um Onlinehändler, die den Weg in die Einkaufsstraßen und Innenstädte gehen. Von Amazon bis hin zu Mymuesli gibt es zahlreiche erfolgreiche Beispiele. Aber auch bestehende stationäre Händler, die die Zeichen der Zeit erkannt und neue Konzepte entwickelt haben, expandieren und füllen die entstandenen Lücken. So hat zum Beispiel H&M sein Filialnetz im Jahr 2017 um 300 neue Geschäfte erweitert.

Adore Me und Victoria’s Secret

Der Hersteller von Reiz- und Damenunterwäsche Adore Me geht den derzeit üblichen Weg neuer Marken: Der ursprünglich reine Online-Player hat kürzlich beschlossen, auch eigene Geschäfte zu betreiben. In New York eröffnete Adore Me nun den ersten von 300 geplanten Läden. Damit stößt die Marke auch in eine Lücke vor, die der bisherige Platzhirsch Victoria’s Secret gelassen hat. Denn dort sind die Verkaufszahlen seit Jahren rückläufig. Der Kennwert Comparable Sales, der die Verkaufszahlen ohne geschlossene und neu eröffnete Läden ausgibt, fiel im vergangenen Quartal um zwei Prozent, im Vorjahr um vier Prozent. Zudem plant das Unternehmen, in diesem Jahr 20 Geschäfte in den USA zu schließen.

Die Räume von Adore Me sind so gestaltet, dass sie das Markenmotto „Inner Confidence for All“ durch passende Zitate an den hellrosa Wänden und in Umkleidekabinen kommunizieren – passend zur Online-Identität der Marke.

Natürlich versucht nicht nur Adore Me die Schwäche von Victoria’s Secret für sich zu nutzen. Andere Onlinehändler wie True & Co, Lively und ThirdLove wittern nun die Chance, ihren Anteil im Dessous-Markt auszubauen, ebenso wie die stationären Händler Gap und Aerie von American Eagle. Sollte also Victoria’s Secret weitere Läden schließen, stehen ausreichend Händler bereit, diese Lücke zu füllen.

2018-11-29T16:30:06+00:00