Indien: Lokale Unternehmen erobern den E-Commerce

Indien: Lokale Unternehmen erobern den E-Commerce

Lange Zeit sah es so aus, als ob Walmart und Amazon den Kampf um den indischen E-Commerce-Markt fast unter sich ausmachen würden, nachdem Walmart den dortigen Branchenführer Flipkart schluckte. Doch nun greifen der größte Retailer und damit gleichzeitig auch eines der größten Telekommunikationsunternehmen des Landes an – was vermutlich auch die neueste Kooperation von Amazon beeinflusste.

Der JioMart soll Amazon und Walmart Konkurrenz machen.

Denn der potentielle Rivale ist durchaus mächtig: Im Hintergrund zieht bei Reliance Industries und seinen Töchterfirmen Mukesh Ambani die Fäden – mit einem Vermögen von mehr als 44 Milliarden Dollar der derzeit reichste Mann Asiens. Wie gefährlich sein Unternehmen für etablierte Anbieter sein kann, demonstrierte er mit dem erst 2016 gestarteten Mobilfunkservice Reliance Jio, der mit seiner Konzentration auf 4G-Services und niedrigen Preisen Ende Oktober 2019 schon fast 365 Millionen Nutzer verzeichnete und damit Marktführer Vodafone Idea extrem dicht auf den Fersen ist. Gleichzeitig betreibt Reliance Industries mit Reliance Retail die umsatztechnisch stärkste Handelskette Indiens.

JioMart agiert lokal und verzichtet auf Zusatzkosten

Sowohl Reliance Jio als auch Reliance Retail haben nun gemeinsam JioMart gestartet, das vorerst allerdings nur in drei Orten im Bundesstaat Maharashtra verfügbar ist. Der über eine App erreichbare JioMart-Service beliefert ausgewählte Gebiete in Navi Mumbai, Kalyan und Thane mit über 50.000 Produkten aus dem Lebensmittelbereich. Dabei gibt es trotz versprochener Expresszustellung weder Lieferkosten noch Mindestbestellwerte. In einer Mail an Reliance Jio-Nutzer wurde bereits eine Ausweitung des Angebots in viele weitere Teile Indiens innerhalb der nächsten Monate versprochen. Das E-Commerce-Angebot konzentriert sich dabei nicht nur auf Waren von Reliance Retail, sondern will auch andere lokale Händler mit einbinden.

Die Antwort von Amazon

Amazon Indien kontert durch eine Partnerschaft mit Future Retail. Amazon wird im Rahmen der Vereinbarung zum autorisierten Online-Vertriebskanal für die Waren der mit über 1.500 Filialen zweitgrößten indischen Handelskette und listet deren Produkte künftig auch in seinem Prime Now-Auslieferungsservice ein. Dieser ist derzeit in Delhi, Mumbai, Bengaluru und Hyderabad aktiv. Beide Unternehmen wollen sich bei ihrer Zusammenarbeit primär auf Lebensmittel konzentrieren.

2020-01-09T14:43:39+00:00