Kohl‘s wird Annahmestation für Amazon-Retouren

Der US-amerikanische Einzelhändler Kohl‘s setzt seinen Schmusekurs mit Amazon fort: Ab Juli können Kunden ihre dort bestellten Waren in allen Kohl‘s-Filialen zurückgeben. Während Amazon so seine Präsenz in den USA noch ein klein wenig ausbaut, muss sich der E-Commerce-Riese in China fast geschlagen geben.

Kohl‘s hatte das Rückgabeprogramm für bei Amazon.com bestellte Produkte bereits seit 2017 in hundert Läden rund um Los Angeles, Chicago und Milwaukee getestet. Ab Juli ist es in allen 1.150 Filialen des Unternehmens in 48 US-Bundesstaaten verfügbar. Die Rücknahme der Waren erfolgt komplett gratis und selbst im ausgepackten Zustand.

Erst im vergangenen Monat hatte Kohl‘s angekündigt, dass nach der Schließung der in einigen Läden integrierten Amazon.com-Pop-Up-Stores über 200 Standorte Amazon-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen – einen Schritt, den viele Rivalen aufgrund der Konkurrenzsituation scheuen würden.

Traffic-Treiber für die Läden

„Amazon und Kohl‘s haben eine gemeinsame Leidenschaft für hervorragenden Kundenservice, und diese einzigartige Partnerschaft kombiniert Kohls starke landesweite Präsenz und Omnichannel-Kompetenz mit der Reichweite und Kundenbindung von Amazon“, sagt Kohl‘s-CEO Michelle Gass und erläutert die positiven Effekte der Kooperation für das eigenen Unternehmen: „Dieser neue Service ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Kohl‘s Innovationen entwickelt, um den Traffic in unseren Filialen zu steigern und unseren Kunden mehr Relevanz zu verschaffen“.

Rückzug aus China

In China wird es solche Kooperationen zwischen Einzelhändlern und Amazon wohl nicht mehr geben, da der US-Konzern das Land nahezu vollständig aufgibt. Dies ist durchaus verständlich, da er dort wohl nur einen geschätzten Marktanteil von 0,6 Prozent hat – in den Geschäftszahlen kam China aufgrund des geringen Volumens gar nicht vor. Amazon.cn schließt den Marktplatz für Drittanbieter und will sich künftig auf Importe von seinen anderen Plattformen und das Kindle-Geschäft konzentrieren.

Der Anbieter konnte seine diversen Stärken in China kaum entfalten, da dort beispielsweise ohnehin kaum Liefergebühren anfallen, sein Video-Service aufgrund von Reglementierungen nicht starten durfte und die wichtige Smartphone-App zu wenig an den Geschmack der dortigen Verbraucher angepasst wurde. Zudem gibt es mit Alibaba und JD.com zwei extrem mächtige chinesische Rivalen, die die Einschränkungen und die Bedürfnisse der heimischen Bevölkerung deutlich besser verstehen und natürlich auch staatliche Rückendeckung genießen.

 

2019-04-25T14:33:53+00:00