Online-Shopper wollen stationäre Geschäfte nicht missen

Online-Shopper wollen stationäre Geschäfte nicht missen

Die zunehmende Digitalisierung von Gesellschaft und Verbrauchern führt vermehrt zu Zweifeln an bisherigen Geschäftsmodellen. Kann etwa der stationäre Handel in Zukunft noch bestehen? Ein Blick nach Südkorea zeigt: Ja – mit Einschränkungen.

Südkorea zählt aktuell nicht nur zu den größten Wirtschaftsmächten der Welt – mit seinem Bruttoinlandsprodukt liegt der Staat in der IWF-Rangliste auf Platz elf, noch vor Russland, den Niederlanden oder der Türkei. Auch in Sachen Digitalisierung ist kaum ein Land so weit fortgeschritten: Sowohl stationäres Internet als auch mobiles Netz sind rasend schnell; beim E-Government gilt das Land in mehreren Rankings als globaler Spitzenreiter. Die OECD sieht Südkorea bezüglich Wertschöpfung im IT-Sektor ebenfalls ganz oben. Und auch im Industrie 4.0-Sektor geht das Land voran – die Regierung fördert die Entwicklung mit mehreren Milliarden US-Dollar und peilt das Ziel an, bis 2022 rund 30.000 Smart Factories in Südkorea zu haben.

Darüber hinaus gilt die Bevölkerung als äußerst technologieaffin und begeisterungsfähig für neue IT-Produkte und -dienstleistungen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass sich in dem Land E-Sport bereits zu einem Massenphänomen entwickelt hatte, als in Deutschland der Begriff noch kaum bekannt war. Bereits im Jahr 2000 gründete die Regierung die Korean eSports Association.

Offline bleibt wichtiger Kanal

In diesem Umfeld wäre es also wenig verwunderlich, wenn die Verbraucher den stationären Handel links liegen lassen und nur noch online recherchieren. Eine Studie des Medienlabors DMC Media zeigt nun jedoch das Gegenteil: So haben sich 73,2 Prozent der Verbraucher, die in den vergangenen sechs Monaten Einkäufe getätigt haben, in einem Laden vor Ort über Produkte informiert. Der Studie zufolge ziehen drei von vier Verbrauchern dies der Recherche im Internet sogar vor.

„Einen starken Eindruck bei Verbrauchern in Offline-Shops durch spezielle Programme zu hinterlassen, wird nicht nur den kurzfristigen Gewinn steigern, sondern auch die Markentreue erhöhen und sie ermutigen, wiederzukommen“, sagt das DMC Media Research Team. Allerdings geht aus der Studie nicht direkt hervor, ob die Verbraucher dann auch im Laden kaufen oder sich die Ware online bestellen.

Klar wurde jedoch, wann sich die meisten Südkoreaner auf Online-Shopping-Tour begeben: 46,9 Prozent von ihnen sind zwischen 18 und 21 Uhr im Internet unterwegs, um nach Produkten Ausschau zu halten. Selbst während der üblichen Arbeitszeiten lassen sich viele allerdings nicht davon abbringen: Nach 9 Uhr in der Früh kaufen immerhin 15,4 Prozent der Befragten online ein.

2019-09-11T09:56:11+00:00