Onlinehändler entdecken stationären Handel für sich

850 neue Filialen in fünf Jahren: Der Trend, bei dem Onlinehändler ihre digitale Domäne verlassen und ins stationäre Geschäft einsteigen, erreicht neue Höhepunkte. Der Fokus liegt dabei auf normalen Verkaufsflächen.

Das Gewerbeimmobilienunternehmen JLL berichtet, dass allein der Matratzenhändler Casper 200 Filialen in Nordamerika eröffnen will. Das Unterwäsche-Start-up Adore Me plant sogar 300 Läden. Insgesamt, so JLL, möchten Onlinehändler in den kommenden fünf Jahren mit gut 850 stationären Geschäften expandieren. Die Gründe hierfür sind meist die Stärkung der Markenidentität und eine engere Kundenbindung. Zudem versprechen sie sich ein breites Wachstum durch die kanalübergreifenden Vertriebsformen.

Der Trend selbst ist keinesfalls neu, und auch in Deutschland nicht unbekannt. Hierzulande eröffnete die Mymuesli GmbH bereits 2008 ihren ersten eigenen Laden. Davor hatte das Passauer Unternehmen seine individuellen Müsli-Mischungen ausschließlich online verkauft. Zu seinen besten Zeiten betrieb Mymuesli 50 Filialen, zudem sind die Produkte inzwischen auch in zahlreichen Supermärkten zu finden. Andere Marken und Händler tun es den Müsli-Mischern gleich: Cyberport, Notebooksbilliger, Zalando, Mister Spex, Doc Morris und myToys sind nur einige weitere Beispiele für Online-Player, die in das stationäre Geschäft eingestiegen sind. Tatsächlich besitzen laut einer Studie des EHI 57 Prozent der 1.000 umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland auch eigene Filialen.

Zuerst das Pop-up, dann der Laden

Der Bericht von JLL zeigt, dass die Händler ihre Filialen gerne dort eröffnen, wo sie bereits mit Pop-up Stores erfolgreich waren. So entstanden nicht ganz zwei Drittel (62 Prozent) der stationären Geschäfte in Städten, in denen die Unternehmen zuvor eine temporäre Location hatten. Beliebt hierfür sind große Ballungszentren. So hat über die Hälfte (59,5 Prozent) der untersuchten Unternehmen ihren ersten Pop-up Store in New York vorgestellt, über ein Drittel (41,3 Prozent) wählten die Stadt anschließend auch als Location für die erste permanente Filiale. Ebenfalls beliebt sind laut JLL die Städte Los Angeles, Detroit, Chicago, Washington D.C. und San Francisco sowie das kanadische Toronto.

Wenig Showrooms

Das für Onlinehändler eigentlich besonders geeignete Showroom-Konzept – in der Filiale kann nicht gekauft, sondern nur getestet und bestellt werden – wird dabei überraschend selten umgesetzt. Lediglich 15,1 Prozent der geplanten stationären Geschäfte sind laut JLL darauf ausgelegt. Der Großteil davon (69,2 Prozent) zeigt Kleidung und Accessoires, die restlichen 30,8 Prozent entfallen auf Möbel. Der Bericht legt zudem nahe, dass besonders Bekleidungs- und Accessoire-Marken von den Läden profitieren. So kommen fast drei Viertel (74,3 Prozent) der Unternehmen aus dieser Branche.

2019-04-04T14:46:26+00:00