Shop-in-Shop: Disney zieht bei Target ein

Die Walt Disney Corporation hat in zahlreichen Target-Filialen in den USA eigene Shops eröffnet, um ihre Merchandising-Verkäufe anzukurbeln. Aber auch Target profitiert von der Kooperation mit dem Medienimperium.

Egal, ob Star Wars, Marvel-Superhelden, Micky Maus oder die zahlreichen Disney-Prinzessinnen – Walt Disney bringt für fast jeden Fan amerikanischer (Pop)-Kultur etwas auf die Leinwand oder zumindest ins Heimkino. Seit einigen Jahren beschränkt sich der Konzern aber nicht mehr nur auf die Produktion von Filmen und Serien, sondern verdient mit entsprechendem Merchandise kräftig hinzu. So geht aus dem Jahresbericht des Unternehmens für 2017 hervor, dass der Bereich „Consumer Products & Interactive Media“, also Merchandising-Artikel von Plüschtieren bis zu Videospielen, 4,8 Milliarden US-Dollar Umsatz generierte. Das entspricht immerhin acht Prozent des Gesamtumsatzes von 55,1 Milliarden US-Dollar. Mit Filmproduktionen setzte Disney nahm 2017 allerdings etwas mehr ein: 8,3 Milliarden Dollar kamen durch die Kino- und Home-Entertainment-Auswertung in die Kasse.

Das besondere bei Fanartikeln ist jedoch, dass sie manchmal deutlich mehr einbringen können als die Filme selbst. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der letzte große Star Wars-Film, „Das Erwachen der Macht“, der 2015 international phänomenale 1,65 Milliarden Dollar einspielte. Die Umsätze mit Fanartikeln beliefen sich allerdings sogar auf etwa fünf Milliarden Dollar. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Disney den Verkauf seines Merchandise weiter ankurbeln möchte.

Shop-in-Shop bei Target

Um dies zu erreichen, hat der Konzern nun eigene Verkaufsflächen in den Filialen der US-Handelskette Target eingerichtet. Dieses Shop-in-Shop-Konzept ist schon länger bekannt, nimmt aber in den letzten Jahren deutlich an Fahrt auf. Das liegt an den Vorteilen für beide Seiten: Für die Marke, also in diesem Fall Disney, bedeutet es eine höhere Sichtbarkeit ihrer Produkte innerhalb der Filiale sowie mehr Kontrolle über deren Präsentation. Zudem können solche Verkaufsflächen auch von eigenen Mitarbeitern betrieben werden, was meist bessere Beratung durch höheres Fachwissen bedeutet. Der Verbraucher nimmt den Shop-in-Shop dabei meist als eigenständigen POS und Point of Interest wahr.

Für Vermieter bieten sie die Chance, ihr Sortiment zu erweitern und Kundenbindung sowie Aufenthaltslänge von Kunden zu fördern. Im Sinne des „One-Stop-Shopping“ besucht der Kunde eine Produktwelt nach der anderen, ohne dabei die Filiale zu verlassen. Die zusätzlichen Markenwelten helfen den Händlern zudem dabei, ihre Flächen besser zu nutzen. Im Fall von Target kommt noch hinzu, dass der Händler mit den Disney-Produkten sein Spielwaren-Angebot rechtzeitig zur Weihnachtssaison deutlich aufstocken kann.

Positive Reaktionen

Analysten bewerten den Schritt der beiden Unternehmen positiv. So erklärte etwa der Retail Equity-Analyst John Zolidis gegenüber Forbes: „Es ist eine fantastische Idee für Target, Disney Shop-in-Shops in seine Geschäfte zu integrieren. Disney ist eine großartige Marke, die zusätzlichen Traffic in die Läden bringt. In den Geschäften werden Produkte angeboten, die eigentlich exklusiv für Disney-Stores sind. Und die Disney-Demografie (junge Familien) ist genau das Richtige für Target.“ Bis Oktober soll es in 25 Target-Filialen Disney-Shops geben, im kommenden Jahr sollen 40 weitere folgen.

Stanley Philipose, Autor des Buches „Retail Apocalypse: The Death of Malls, Retailers & Jobs“, ist ebenfalls vom Potential überzeugt. „Das ist eine großartige Strategie für Target und könnte sicherlich neue Käufer anziehen“, kommentierte er gegenüber Forbes. „Wir haben gesehen, wie die Strategie von anderen Einzelhändlern erfolgreich umgesetzt wurde. Best Buy etwa bietet Marken einen Shop-in-Shop gegen Gebühren. Es ist für Disney billiger, mit Target zusammenzuarbeiten, als einen eigenständigen Shop zu unterhalten.“

Auch an der Wall Street kam die Zusammenarbeit gut an, die Aktienkurse von Disney und Target legten jeweils deutlich zu.

2019-08-29T14:23:26+00:00