Target stolpert über undurchsichtige Preispolitik

Nach Walmart ist Target die Nummer zwei der US-Einzelhändler. Im Wettbewerb mit der On- wie Offline Konkurrenz nutzt auch das Unternehmen aus Minneapolis digitale Lösungen. Dabei unterlief ihm aber ein gravierender Fehler.

Eigentlich hatte Target mit seiner App das Kundenerlebnis über alle Kanäle hinweg im Blick. Die Anwendung bietet dem User nicht nur Zugang zum Online-Shop, sie lockt auch mit exklusiven Angeboten, Planungsfunktionen, der Überprüfung von Warenverfügbarkeiten in der nächsten Filiale, schnellerem Checkout im Geschäft und vielem mehr. Natürlich ermittelt die App dazu auch den Standort des Nutzers, um ihm bei der Auswahl des nächstgelegenen Ladens zu helfen und ihm auf Wunsch die Navigation dorthin zu erleichtern.

Neben dem Kundenerlebnis wird für stationäre Händler eine dynamische Preispolitik immer wichtiger. Denn Onlineshops nutzen spezielle Sonderangebote ebenso wie die Möglichkeiten von Dynamic Pricing, um Kunden von ihrem Angebot zu überzeugen. Zwar ist die Praxis, die Preise von Produkten und Dienstleistungen auf Basis des aktuellen Marktbedarfs anzupassen, bei vielen Kunden verpönt, da diese dadurch höhere Preise befürchten. Für Händler ist sie jedoch ein wichtiges Mittel, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Profitabilität zu steigern, so eine McKinsey-Studie aus dem Jahr 2017. Target hat hier mit der „Price Match Policy“ einen gängigen Weg eingeschlagen: Wer ein Produkt, das bei einem anderem Händler billiger ist, bei Target kauft, erhält es zu dem günstigeren Preis der Konkurrenz.

Preisunterschiede von über 100 Dollar

Die Fernsehstation KARE-TV aus Minneapolis hat nun allerdings aufgedeckt, dass Target in seiner App mit den angezeigten Preisen undurchsichtig umgeht. Über zwei Monate hinweg haben die Journalisten die Preise von zehn zufällig ausgewählten Produkten verfolgt. Dabei stellten sie fest, dass diese teilweise deutlich anstiegen, sobald der Nutzer eine der Target-Filialen betritt. Im Falle eines Staubsaugers betrug der Preiszuwachs 148 US-Dollar.

Zu dem Preisanstieg kam es, da beim Betreten des Ladens der Preis aus der Filiale angezeigt wurde, davor jedoch der aus dem Online-Shop. Dies wurde jedoch von Target nicht gekennzeichnet, was zu Kritik an dem Unternehmen führte. Die unterschiedlichen Preise hingegen waren, trotz der Price Match Policy, Absicht. In einer ersten Reaktion aktualisierte Target die App nun, so dass ein Hinweis klärt, ob der angezeigte Preis nur online gilt oder auch in den Filialen. Zudem wird nun stets auf die Price Match Policy verlinkt. Den Image-Schaden, den Target in den USA durch dieses undurchsichtige Vorgehen davongetragen hat, dürfte das Unternehmen aber noch einige Zeit mit sich herumtragen.

2019-02-14T15:50:24+00:00