Walmart liefert nun direkt in den Kühlschrank des Kunden

In-Home-Delivery, also die Lieferung in die Wohnung hinein anstatt bis an die Tür, gilt manchen Unternehmen als die ultimative Lösung für die letzte Meile. Walmart testet einen solchen Service jetzt in drei US-amerikanischen Städten.

Für Online- und Multichannel-Händler ist die letzte Meile eine der großen Herausforderungen: Wie kann man die Lieferung so einfach und bequem wie möglich für den Kunden gestalten? Schließlich hat der Shopper ja Besseres zu tun, als zu Hause zu sitzen und auf Pakete zu warten. Gängige Lösungen sind etwa die Lieferung zu angegebenen Wunschzeiten, die Selbst-Abholung in Filialen oder die Hinterlegung der Sendung in Paketboxen. Als optimal sehen manche jedoch nur die In-Home-Lieferung an. Hier erhält der Bote temporären Zugang zu Haus oder Wohnung, um das Paket abzulegen – egal, ob jemand zu Hause ist oder nicht.

Damit das funktioniert, braucht es nicht nur großes Vertrauen in den Lieferanten bzw. in die Background-Checks der Firmen. Auch das Zuhause muss technisch aufgerüstet werden, um dem Boten Zugang gewähren zu können. In der Regel verbindet sich In-Home-Delivery mit einem intelligenten Türschloss, über das der Kunde auch in seiner Abwesenheit die Türen für den Paketboten öffnen kann. Per Videoübertragung wird dann aus der Ferne mit dem Paketzusteller interagiert.

In-Home-Delivery bei Walmart

Auch beim US-Handelsriesen Walmart funktioniert die Lieferung in die eigenen vier Wände über ein intelligentes Türschloss. Alternativ zur Haustür-Version kann der Kunde sich auch ein Smart Lock für seine Garage kaufen – der Preis liegt für jede Variante bei 50 US-Dollar. Für eine monatliche Gebühr von 20 Dollar wird der Verbraucher Teil eines Mitgliederprogramms, das die Lieferung der bestellten Produkte beinhaltet. Die intelligenten Schlösser werden per Bluetooth mit einem Einmalcode geöffnet, den der Lieferant (ein Walmart-Mitarbeiter) auf sein mobiles Gerät erhält. Der Code ist nur während der vereinbarten Lieferzeit gültig. Jeder Mitarbeiter ist mit einer tragbaren Kamera ausgerüstet, über die die Kunden verfolgen können, wie der Bote das Paket ablegt bzw. die Lebensmittel in den Kühlschrank stellt.

Walmart testet den Dienst in drei Städten: Kansas City, Missouri; Pittsburgh, Pennsylvania und Vero Beach, Florida. In dem Liefergebiet leben in etwa eine Million Verbraucher. Später in diesem Jahr sollen über den Service auch Retouren eingesammelt werden.

Für Walmart ist es das zweite Experiment mit In-Home-Delivery. Bereits 2017 führte der Einzelhändler gemeinsam mit dem Smart Lock-Hersteller August Home einen kleinen Test im Silicon Valley durch, bei dem die Arbeiter Pakete in die Häuser der Verbraucher brachten und Lebensmittel in den Kühlschrank stellten. Allerdings war dieser Test nur von kurzer Dauer. Der neue Anlauf zeigt aber, dass der Händler hier durchaus Potenzial sieht – wahrscheinlich auch, weil Konkurrent Amazon mit seinem Liefer-Service „Key by Amazon“ in bereits 50 Städten aktiv ist.

Deutsche Verbraucher sind skeptisch

Laut einer YouGov-Studie von Dezember 2018 sind die Bundesbürger gegenüber dem Prinzip der In-Home-Lieferung skeptisch. Der Umfrage zufolge kann sich nur jeder fünfte Deutsche (21 Prozent) vorstellen, sich auf diese Art Pakete liefern zu lassen. Zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sehen das Verfahren hingegen mit Argwohn. Personen mit einem hohen Haushaltseinkommen gewinnen dieser Lieferart eher etwas ab. Knapp jeder dritte (31 Prozent) Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro monatlich kann sich vorstellen, solch eine Technologie zu nutzen. Im Geschlechtervergleich sind es vermehrt Männer (26 Prozent), die sich für die smarten Türschlösser für Paketlieferungen offen zeigen, Frauen sind misstrauischer. Weniger als jede fünfte (18 Prozent) Frau kann sich eine solche Paketlieferung vorstellen. Ein Blick in die Altersgruppen zeigt eine größere Offenheit für das Thema bei Menschen zwischen 25 und 54 Jahren, hier sind ein Viertel der Befragten interessiert.

2019-10-17T14:36:13+00:00