Wie Händler und Städte gemeinsam für Attraktivität sorgen

Die Einkaufsmeile hat ein Henne-Ei-Problem: Gibt es keine Läden, kommen keine Kunden – und kommen keine Kunden, machen die Läden dicht. Folglich müssen Städte ebenso handeln wie die Händler. Ansätze gibt es bereits einige.

Den Städten bieten sich unterschiedliche Möglichkeit, Kunden anzulocken. So lässt sich etwa die Parkplatzsuche mit digitalen Lösungen vereinfachen. Bei Apps wie „Park and Joy“, die die Telekom unter anderem für Bonn, Hamburg und Lübeck anbietet, muss der Kunde nicht mehr selbst nach Parkplätzen suchen. Vielmehr weiß die Anwendung dank Sensoren an den Stellplätzen, wo noch etwas frei ist. Der Einkaufsbummel kann auf diese Weise deutlich entspannter beginnen.

Auch mit öffentlich zugänglichem WLAN können die Städte punkten, wie die baden-württembergische Stadt Nagold beweist. Im Innenstadtbereich bietet die 23.000-Einwohner-Gemeinde den kostenfreien Service an elf Hotspot-Standorten an. Einer Meldung aus dem Sommer zufolge wurden im Schnitt mehr als 1.000 Logins pro Tag an den Zugangspunkten gezählt. Die Passanten lädt das freie WLAN aber nicht nur zum Bleiben ein – über einen Begrüßungsbildschirm können die Nutzer auf Angebote in den umliegenden Geschäften hingewiesen werden.

Bei den Händlern wiederum geht es vor allem darum, aus dem Einkauf ein Erlebnis zu machen und die Kunden individuell zu begeistern – so, dass sich jeder von ihnen persönlich willkommen und gut aufgehoben fühlt. Digitale Lösungen im stationären Handel spielen dabei generell eine große Rolle – was möglich ist und was gut beim Kunden ankommt, ist hingegen noch keine ausgemachte Sache. Unternehmen testen daher, welche Lösungen geeignet sind.

Erfahrungen von Karstadt

Ein Beispiel ist Karstadt. Seit Anfang 2018 probiert die Warenhauskette im Düsseldorfer Flagship Store verschiedene Ansätze zur Vernetzung von On- und Offline aus. Darunter befinden sich unter anderem Technologien wie eine vernetzte Umkleidekabine. Beim eingesetzten Modell werden spiegelnde Touchscreens in den Kabinen verwendet. Sie bieten Styling-Vorschläge und zusätzliche Informationen zu Produkten sowie einen Zugang zum Online-Shop. Ein sogenannter Social Mirror verbindet den Kunden mit sozialen Netzwerken. So können die Shopper das gerade anprobierte Outfit im Netz teilen und Freunde und Familie um Rat fragen. Und auch die digitale Regalverlängerung – auch bekannt als Endless Aisle oder Digital Shelf – findet bei Karstadt Anwendung. Damit sollen Kunden Waren finden, die gerade nicht im Laden vorrätig sind oder sich Varianten eines bestimmten Produkts ansehen. Hierzu muss der Shopper in Düsseldorf die Ware auf der Fläche vor einem Screen platzieren und schon erhält er Infos zu anderen Farben oder Stylingvorschläge.

Carsten Maeskes, Leiter des Projekts bei Karstadt, sagte der „Internet World Business“ in einem Interview: „Die Kunden sind begeistert von den zusätzlichen Services, die ihnen die Touchpoints liefern. Und wir merken, dass es sich auch in der Ladenkasse auszahlt.“ Die Erfahrungen, die Maeskes in inzwischen einem Jahr digitalem Flagship Store gemacht hat, teilt er auf dem POS connect Fachkongress, der am 12. März parallel zur POS connect-Messe im Kongresszentrum der Messe München stattfindet.

Influencer bei Kutsam

Auf der Kongressbühne diskutiert er mit Johannes Kutsam, Geschäftsführer des Modehaus Kutsam aus Österreich, über die Folgen der Digitalisierung für Händler. Kutsam hat in den letzten zwölf Monaten Erfahrungen mit Influencern und den Erwartungen der jungen Zielgruppe gesammelt. Das Modehaus rief gemeinsam mit Kooperationspartnern eine Fashion-WG ins Leben. Vier junge Influencer wohnten darin für ein Jahr gratis und begleiteten diese Zeit über Social Media und Blogs. Auf ihren Kanälen berichteten sie dabei über Mode, Trends & Lifestyle und mussten Veranstaltungen zu Mode, Nachhaltigkeit, Streetstyle und Blogging ausrichten.

Der POS connect Fachkongress findet am 12. März 2019 in München im Rahmen der POS connect-Messe statt. Dort diskutieren rund 100 Fachentscheider im neuen Kongresszentrum der Messe München über die Zukunft des digitalen Handels. Besucher der Konferenz haben zudem die Möglichkeit, am 13. März an einer geführten RetailTour durch die Erlebniswelt der Messe und das nahegelegene Shoppingcenter „Riem Arcaden“ teilzunehmen. Hier erleben sie die Digitalisierung des Handels live.

2018-12-13T15:06:09+00:00