Wie Ikea den indischen Markt erobern will

Das Erfolgsrezept von Ikea lautet: Preiswerte Möbel zum selbst zusammenbauen. In einem Land mit vielen billigen Arbeitskräften wie Indien fehlt jedoch die Do-it-yourself-Kultur. Ein Partner soll das Problem für die Schweden lösen.

Mit der Eröffnung eines Möbelhauses in der Großstadt Hyderabad feierte Ikea am 09. August 2018 den Markteintritt in Indien. Der 37.000 Quadratmeter große Standort in der HITEC City, dem Technologiezentrum von Hyderabad, beschäftigt 950 Mitarbeiter. 2019 soll der nächste Ikea in Mumbai eröffnen, bis 2025 wollen die Schweden in ganz Indien 25 Möbelhäuser betreiben.

Mit erschwinglichen und leicht zugänglichen Produkten will Ikea die Inder erreichen, auch diejenigen mit geringem Einkommen. Rund 1.000 speziell für den Subkontinent entwickelte Produkte werden zu einem Preis von unter 200 Rupien verkauft , das entspricht etwa 2,50 Euro. (Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Indien lag 2016 laut Weltbank bei gut 6.500 US-Dollar. In Deutschland waren es 49.500 Dollar.) Damit das Unternehmen auch den Geschmack der Inder trifft, wurden zudem im Vorfeld der Produktentwicklung etwa 1.000 Haushalte besucht.

Die Herausforderung in Indien

In jedem westlichen Land wäre Ikea damit gut aufgestellt, um den Markt zu erobern. In Indien hingegen sieht die Sache etwas anders aus. Denn Inder sind es nicht nur gewöhnt, ihre Möbel beim Schreiner maßgeschneidert zu bestellen. Dass der neue Schrank dann auch gleich vom Handwerker aufgebaut wird gehört ebenso dazu. Gepaart mit einem sehr großen Angebot an sehr billiger Arbeit hat sich daher in Indien nie eine Do-it-yourself-Kultur etabliert, so die Indian Times. Wieso sollte sich das also jetzt ändern?

Die Strategie von Ikea in Indien beruht auch gar nicht darauf, den Kunden nun erst einmal beizubringen, dass sie ihre Möbel selbst aufbauen müssen. Stattdessen haben sich die Schweden mit UrbanClap zusammen getan. Das Unternehmen vermittelt über eine Online-Plattform Handwerker an Verbraucher. Wer also bei Ikea ein Bett kauft kann sich auch gleich einen günstigen Aufbauservice mieten. Allerdings ist UrbanClap nicht in allen indischen Städten aktiv. Die Kooperation, wenn sie denn erfolgreich verläuft, könnte aber zum Anreiz für eine Expansion werden.

Anziehungspunkt Köttbullar

Auch der indische Möbelmarkt selbst gilt als Herausforderung für Ikea. Für 2020 wird ein Umsatz von etwa 35 Milliarden US-Dollar erwartet. Davon werden etwa 85 Prozent von kleinen und mittelständischen Betrieben erwirtschaftet, der Rest verteilt sich auf größere Hersteller wie Pepperfry und Urban Ladder. Diese verkaufen auch online und bieten ebenfalls Aufbauservices an. Das Online-Segment wird für 2020 auf 700 Millionen Dollar Umsatz geschätzt.

Daher will Ikea nicht nur mit Auswahl, Preisen und Service die Inder von sich überzeugen, auch die inzwischen berühmten Restaurants sollen ihren Teil zum Erfolg beitragen. Dort sollen nicht nur typisch indische Gerichte serviert werden sondern auch die bekannten schwedischen Spezialitäten – für die neue Klientel allerdings als vegetarische Variante.

2018-10-31T14:35:27+00:00