Wie neue Technologien Kunden bis in den Laden bringen

„Können sie bitte umdrehen?“, fragt ein Passagier den Taxifahrer, nachdem er eine Anzeige auf einem Bildschirm im Auto gesehen hat. Solche Geschichten könnten schon bald wahr werden – ein asiatisches Unternehmen arbeitet daran.

Die traditionelle Außenwerbung (englisch out-of-home oder OOH) wird schon seit längerem digitalisiert. Das bedeutet derzeit vor allem, dass alte Plakatwände durch Bildschirme ersetzt und zusätzlich neue kleinere Screens aufgestellt werden, auf denen Videos um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen. Durch QR-Codes, Beacon-Technologie oder Touch-Oberflächen sind manche davon sogar interaktiv. Diese digitale Außenwerbung (oder auf Englisch digital out-of-home, kurz DOOH) bringt nun neue Möglichkeiten in die Werbung.

Persönliche Werbung während der Fahrt

Daneben existieren die sogenannten „ride-to-store“-Strategien der Außenwerber. Sie zielen auf Fahrgäste in Taxis und Ride-Sharing-Fahrzeugen, indem sie ihnen über Bildschirme dynamische und interaktive Werbung zeigen. Dynamisch deshalb, weil sich die Inhalte an den Fahrgast anpassen lassen, zum Beispiel unter Berücksichtigung von Uhrzeit oder Fahrziel. Und interaktiv, weil die Anzeigen etwa Spiele beinhalten oder den Betrachter zum Scannen von Codes oder Abonnieren eines Newsletters auffordern können.

Im Gegensatz zu klassischer Außenwerbung ist diese Form der Reklame wesentlich intimer, da sie im kleinen Raum des Taxis stattfindet. Und bei längerer Fahrzeit oder gar Staus haben die Anzeigen auch mehr Zeit, ihre Wirkung zu entfalten – ganz im Gegensatz zur statischen Plakatwand, auf die Verbraucher nur einen kurzen Blick werfen. Letztlich zielen die Außenwerber darauf ab, dass die Verbraucher ihr Fahrziel ändern und anstatt nach Hause zu fahren noch ein Geschäft aufsuchen.

Erfahrungen aus Singapur

Das Unternehmen IDOOH aus Singapur hat sich auf diese Art der Werbung spezialisiert, es nennt es „commuter storytelling“. Erste Erfahrungen hat IDOOH bereits vorzuweisen. So wurde zum Beispiel eine interaktive Kampagne für die Celebrity Chef-Restaurants des Resorts Marina Bay Sands in Singapur umgesetzt. Sie sollte die verschiedenen prominenten Chefköche, ihre Kochkünste sowie die entsprechenden Restaurants besser bekannt machen. Die Zielgruppe waren technologie-affine Fahrgäste, die häufig Apps zur Bestellung von Taxis benutzen. Innerhalb ihrer vier Wochen kam die Kampagne auf 60.000 Impressions, so das Unternehmen.

Da das Unternehmen in Asien auf weniger öffentliche Bedenken und Einschränkungen im Datenschutz stößt, experimentiert es bereits mit Gesichtserkennung. Sie erkennt den Fahrgast, um ihm passende Werbung zeigen zu können. Die Erkennung bezieht sich allerdings nicht auf die Person selbst, sondern nur auf demographische Faktoren wie Geschlecht oder Alter. Es gilt die Faustregel: Je relevanter die Anzeige ist, desto wahrscheinlicher führt sie zum Kauf.

2018-10-31T14:35:09+00:00