Wie wenige Händler die Zukunft der Einkaufszentren bestimmen

In Einkaufszentren herrscht stets eine Fluktuation an Geschäften, besonders was kleine Händler betrifft. Doch wenn große Retailer ihre Geschäfte schließen, ist die ganze Mall bedroht. Dies zeigt sich aktuell in den USA.

Das oft beschworene Ende des stationären Handels – in den USA gerne als „Retail Apocalypse“ betitelt – bedroht zwar nicht jeden Händler und jeden Standort. Gerade in Großstadtlagen werden sich einfallsreiche und anpassungsfähige Unternehmen weiterhin behaupten. Und die Lücken, die dort entstehen, werden neue Geschäfte schließen, die sich den veränderten Ansprüchen der Kunden angepasst haben. Es findet eine Evolution des stationären Handels statt, nicht dessen Aussterben.

Doch dies ist nicht überall der Fall, wie Forbes in einem Beitrag erklärt. Dem Magazin zufolge könnte Einkaufszentren in sekundären Lagen ein anderes Schicksal drohen. Denn in den USA gehen gerade mehrere große Händler in die Insolvenz, wie etwa Sears. Andere versuchen, sich gesund zu schrumpfen. So hat Sears in den letzten zwölf Monaten über 250 Geschäfte geschlossen, bei der Kaufhauskette Bon Ton waren es ebenso viele. Macy’s wiederum hat 110 Läden in den letzten 24 Monaten dicht gemacht.

Und auch dieses Jahr sieht es nicht besser aus: Bei Sears werden wohl auch noch die verbliebenen 200 Filialen weichen, den restlichen 50 Geschäfte von Lord & Taylor, der ältesten Kaufhauskette des Landes, blüht ein ähnliches Schicksal. Und mit dem drohenden Bankrott von JCPenney steht zumindest ein Teil der 864 Standorte auf der Abschussliste.

Das Ende der Ankergeschäfte

Alle diese Händler zählen in den USA als Ankergeschäfte. Sie haben eine überdurchschnittliche Anziehungskraft auf Kunden und sind landesweit bekannt. Schließen sie, stehen die Einkaufszentren vor einem doppelten Problem: Es fehlen nicht nur die Hauptmieter, die für die größten Flächen bezahlen, es bleiben auch Kunden aus, was sich wiederum negativ auf die verbliebenen Geschäfte auswirkt. Aktuell droht dies in den USA Einkaufszentren in sekundären Lagen, denn dort schließen die großen Händler ihre Tore zuerst. Schließlich sind diese Geschäfte weniger profitabel als die in den Premiumlagen.

In den USA gibt es laut dem Forbes-Bericht in etwa 500 große Shoppingcenter. Dem stehen circa 1.000 geschlossene bzw. bald schließende Ankergeschäfte gegenüber. Wenn auch die Malls in den besten Lagen von den Schließungen betroffen wären, würde jede von ihnen durchschnittlich zwei ihrer wichtigsten Mieter verlieren. Bedenkt man hierbei noch, dass die Malls in den Randlagen oft noch Nachbarn wie IKEA haben, ergeben sich weitere Probleme. Denn diese bringen zwar zusätzliche Kunden, drängen aber inzwischen auch stärker in die Städte.

Eine Welle an Schließungen von Einkaufszentren in den USA erscheint somit unvermeidbar.

2019-01-10T14:52:09+00:00