Wird Amazon Real kaufen?

Ladengeschäfte von Amazon in Deutschland seien „keine Frage des Ob, sondern des Wann“, erklärte Ralf Kleber, Deutschland-Chef des Konzerns, bereits Ende 2017. Mit einem Kauf der Supermarktkette Real könnte es nun so weit sein.

„Kunden lieben Vielfalt online und im klassischen Handel. Letzterer steht in Deutschland immer noch für 90 bis 95 Prozent des Handelsumsatzes. Und wir werden uns nie dem verschließen, was der Kunde will“, sagte Kleber im Dezember 2017 in der „Berliner Morgenpost“. Damals zeigte sich, dass Amazon durch die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods in den USA den stationären Handel durcheinander brachte. Auch deutsche Händler blicken seitdem nervös auf die Ambitionen des Internet-Giganten.

Unbestätigte Gerüchte

Mit dem Kauf der Supermarktkette Real würde der Eintritt in den Offlinemarkt nicht nur schneller kommen als gedacht, sondern auch sehr massiv. Schließlich betreibt Real 282 Supermärkte in ganz Deutschland un hat 65 Standorte in seinem Immobilienportfolio. Auch das Onlinegeschäft läuft gut. Sicher ist bisher allerdings nur, dass der Handelsriese Metro seine Supermarkt-Tochter Real verkaufen möchte und Amazon Analysten zufolge Interesse bekundet hat.

Einige Stimmen halten den Kauf für wenig wahrscheinlich, weder das Filialgeschäft noch der Online-Shop zur Strategie zu Amazon passen würden. Besonders bei letzterem ist nicht wirklich ersichtlich, warum ausgerechnet Amazon daran interessiert sein sollte. Auch die Marke an sich sei für den Online-Riesen wenig interessant – anders als Whole Foods. Hier hatte Amazon schließlich eine Kette übernommen, die mit Bio-Angeboten und regionalen Produkten ein bestimmtes Image mitbrachte.

Die Folgen einer Übernahme für den Handel

Was aber wären die möglichen Folgen einer Übernahme? Für den Lebensmittelhandel in Deutschland, der im internationalen Vergleich als wenig innovativ gilt und über eine nur unterentwickelte Online-Präsenz verfügt, hätte das enorme Auswirkungen. Die erwähnten Immobilien könnten dazu genutzt werden, eigene Geschäfte wie Amazon Go nach Deutschland zu bringen. Dort können Kunden einkaufen, indem sie einfach Produkte aus dem Regal nehmen und wieder gehen – die Bezahlung regelt ein voll automatisiertes System. Das Konzept wird aktuell in den USA vorangetrieben. Nach weiteren Ladeneröffnungen in Seattle wurde nun auch ein Laden in New York bestätigt. Dass Amazon es auch in anderen Ländern einführen wird, ist wohl erneut keine Frage des Ob, sondern des Wann. Der Innovationsdruck, der schon jetzt auf den deutschen Lebensmittelhändlern lastet, würde sich so weiter steigern.

Auch für Amazon Fresh wäre die Übernahme eine Stärkung: Amazon muss sich so das Frischesortiment für den Service nicht mehr selbst aufbauen. Gleichzeitig können die Märkte als Ausgangspunkte des Lieferdienstes dienen. So wäre er plötzlich nicht mehr nur in Berlin, Hamburg und München verfügbar, sondern bundesweit in fast allen Ballungsräumen. Der Online-Lebensmittelhandel erhielte so in Deutschland die Möglichkeit , schnell zu wachsen und für die Verbraucher relevant zu werden.

2018-10-31T14:35:16+00:00