Wird Sears zum Opfer der Online-Konkurrenz?

Die US-amerikanische Kaufhauskette Sears steht vor dem Abgrund: Nachdem Medien über ihren Insolvenzantrag berichtet hatten, brach der Aktienkurs um 40 Prozent ein. Ist das Unternehmen an der Konkurrenz aus dem Internet gescheitert?

Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ bereitet Sears derzeit einen Insolvenzantrag vor, der schon am Freitag eingereicht werden soll. Denn am folgenden Montag muss das Unternehmen Schulden in Höhe von 134 Millionen Dollar zurückzahlen, was es allem Anschein nach nicht kann. Sears kommentierte den Bericht nicht, die Anleger zogen aber dennoch ihre eigenen Schlüsse und begannen damit, die Aktie abzustoßen. Der Kurs fiel um 40 Prozent. Später bestätigte CNBC die Meldung und berief sich – ebenso wie das „Wall Street Journal“ – auf Insider-Informationen.

Die Schuld des Onlinehandels?

Der Schuldige ist für manche schnell gefunden: „Vor allem die Zunahme des Online-Handels durch Konkurrenten wie Amazon macht dem einstigen Aushängeschild der amerikanischen Kaufhauswelt zu schaffen“, schreibt etwa die „FAZ“. Bei der ARD heißt es: „Das Unternehmen könnte nun Opfer des Online-Shopping-Trends werden, der den stationären Handel in den USA schwer bedrängt.“

Dass der stationäre Handel in den USA Probleme hat, zeigt auch die Liste der Händler, die 2018 bereits pleitegegangen sind. „Retaildive“ listet hier schon elf Unternehmen, Sears könnte also das Dutzend voll machen. Es finden sich dort unter anderem Matratzen-Händler, Juweliere und Discounter. Ihnen allen sei gleich, so das Magazin, dass sie – neben hohen Schulden – von Einkaufszentren abhängig sind und ihr Geschäftsmodell sowohl von Amazon online als auch von Niedrigpreis-Konkurrenten offline angegriffen werden kann.

Der differenzierte Blick zeigt also, dass nicht der Onlinehandel allein für die Insolvenzen verantwortlich ist. Zudem darf man nicht vergessen: Waren im Internet zu verkaufen, ist nun schon lange nichts Neues mehr. Händler, die diesen Kanal immer noch nicht nutzen, haben hier schlichtweg die Entwicklung verschlafen.

Stationäre Händler können reagieren

Andererseits ist die Konkurrenz online natürlich groß, besonders Amazon dringt in immer mehr Bereiche vor und versteht es, die Kunden an sich zu binden. Dass nun Händler deswegen in schwieriges Fahrwasser kommen, ist zwar verständlich – aber kein Grund, den Kampf nicht aufzunehmen. Denn es gibt ausreichend Argumente, in einen Laden zu kommen, man muss sie nur richtig präsentieren.

Das Wichtigste sind hier Beratung und Service. Wer schon einmal auf Amazon eingekauft hat weiß, dass er sich selbst informieren muss. Der Onlineriese bietet keine Beratung an, während man in einem stationären Laden auf das Wissen und die Erfahrung der Angestellten zurückgreifen kann. Ein jedes Geschäft kann bei beratungsintensiven Produkten leicht zu einem besseren Händler werden als Amazon. Und auch beim Service muss sich ein moderner Händler nicht verstecken: So erhalten Kunden dank Click&Collect-Lösungen ihre Waren schneller als durch den Postversand von Amazon. Und die Rückgabe in der Filiale kann ein Anknüpfungspunkt für weitere Kommunikation und auch Verkäufe sein. Zudem gibt es viele neue Technologien, die aus einem Laden einen Ort machen, den ein Kunde gerne besucht – Stichwort Einkaufserlebnis.

Zahlreiche Umfragen und Studien weisen immer wieder darauf hin, dass Kunden bereitwillig im stationären Handel einkaufen. Die Geschäfte  müssen sich hier nur den neuen Einkaufsgewohnheiten anpassen und sich weiterentwickeln.

Survival of the fittest

Dass Onlineshopping den stationären Handel unter Druck setzt, liegt inzwischen vielmehr daran, dass sich die Händler nicht richtig zur Wehr setzen. Und das, obwohl es ausreichend Möglichkeiten dazu gäbe. Wenn ein Unternehmen wie Sears nun also Insolvenz anmeldet, ist das nicht in erster Linie dem Onlineshopping anzulasten – sondern Sears selbst, das es nicht geschafft hat, sich zu bewegen und auf die neuen Umstände zu reagieren, bis es zu spät war.

Trotz der zahlreichen Insolvenzen muss man festhalten: Es werden nicht alle Läden aus den Innenstädten verschwinden sonder nur die, die die veränderten Kundenbedürfnisse nicht befriedigen. Sie werden aber von neuen Unternehmen ersetzt werden, denen dies gelingt. Die Evolution des stationären Handels hat begonnen, und die am besten Angepassten werden erfolgreich sein.

2018-10-31T14:35:09+00:00